Die Zahl, die aus der Kälte kam: Wenn Mathematik zum by Rudolf Taschner

By Rudolf Taschner

Wer Zahlen beherrscht, der hat Macht. Schon Archimedes besiegte die römische Flotte mit Mathematik, heute schlagen Rechenmaschinen den Menschen im Schach und beim Jeopardy. Rudolf Taschner nimmt uns mit auf einen Streifzug durch die Kulturgeschichte der Zahlen. Er erzählt, wie Blaise Pascal schon im 17. Jahrhundert den desktop erfand, wie Isaac Newton mit der Unendlichkeit rechnen lernte, warum Kurt Gödel zugleich an die Allmacht der Zahlen und an Gespenster glaubte – und sich der britische Geheimdienst an der Zahl 007 die Zähne ausbiss. Taschner lüftet dabei die Geheimnisse der Mathematik so spannend, leichtfüßig und unterhaltsam, dass auch Nichteingeweihte ihrem Zauber erliegen müssen.

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Aber im Verlauf der Rechnungen, wie viel Reis auf die Felder der fünften Reihe zu stapeln sei, musste der Maharadscha aufgeben. Es war einfach zu viel. Der weise Mann wusste es – wenigstens ungefähr. Mit Hilfe der Ziffer Null gelingt es, die Menge des Reises auf dem Schachbrett abzuschätzen: Auf dem ersten Feld ist nur ein Korn, und danach kommt es zum dauernden Verdoppeln. Die Zahl der Körner auf den nächsten zehn Feldern lautet daher: 2, 4, 8, 16, 32, 64, 128, 256, 512, 1024. Auf dem 11. Feld sind daher 1024 Reiskörner.

Ab jetzt zählte der Urmensch nicht die Kerben zwischen den Fingern, sondern die Fingerspitzen: Zehn wurde zur größten Zahl. Doch danach gab es kein Halten mehr. Noch mehr Gliedmaßen als die Finger allein wurden zum Zählen verwendet. Es ist gut denkbar, dass in manchen Stämmen Finger- und Zehenspitzen fürs Zählen herangezogen wurden, so dass man zu zwanzig gelangt. In der französischen Sprache finden sich Fragmente dieses Brauchs: „quatre-vingt“, das Wort für achtzig, bedeutet wortgetreu übersetzt „vier-zwanzig“, meint also vier Bündel zu je zwanzig Stück.

Die meisten der Ägypter haben ihren Pharao nie gesehen. Sie schufteten als Bauern und Handwerker an den Ufern des Nils, jenes gewaltigen Flusses, der die ägyptische Wüste bis hin zum Mittelmeer durchzieht und der den Menschen das Leben in der sonst unwirtlichen Gegend ermöglicht. Der Nil spendet ihnen das dringend nötige Wasser, vor allem aber überflutet er immer wieder das Land. Bei diesen Überschwemmungen bringt er von seinem Oberlauf im fernen Süden fruchtbare Erde mit. Sie setzt sich, wenn der Nil wieder in sein Flussbett zurückfindet, am Ackerboden ab und bildet so den Dünger für überreiche Getreideernten.

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